Einzigartig in der Geschichte Europas: 2.600 Jahre Freundschaft zwischen Georgiern und Juden. Interview mit Dr. Moisei Boroda

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Felizitas Küble

Abstract

Allgemeine Einführung
Das Land Georgien gehört zu den touristisch
attraktivsten Orten der Welt – nicht nur wegen der
Schönheit und sagenhaften Vielfalt seiner Natur,
sondern auch aufgrund seiner uralten Kultur. Zur
Einzigartigkeit dieser Kultur gehören auch die seit
Jahrhunderten bestehenden friedlichen Beziehungen
zwischen Georgiern und Juden.


Interview
Felizitas Küble (F.K.): Betrachtet man das »georgische
Phänomen« im Lichte der Geschichte
europäischer Juden, so fragt man sich, weshalb
ist den Georgiern – im Unterschied zu anderen
europäischen Ländern – ein solch gutes Einvernehmen
mit den Juden gelungen?
Sie, Herr Dr. Boroda, kennen als gebürtiger
Georgier die Verhältnisse aus erster Hand. Bis zu
Ihrer Ausreise nach Deutschland als Stipendiat
der Alexander-von-Humboldt-Stiftung lebten Sie
in Georgien, so dass Sie genug Zeit hatten, um
»die Materie in vivo« zu beobachten. Seit wann
leben Juden in Georgien?
Dr. Boroda: Die erste kompakte Ansiedlung
von Juden in Georgien geht auf das Jahr 576 v.
Chr. zurück, als der babylonische Herrscher Nebukadnezar
II. Jerusalem eroberte und mehrere
tausend Einwohner von Judäa nach Babylon verschleppen
ließ. Ein Teil der im Lande gebliebenen
Judäer verließ das Land; auf der Suche nach einem
sicheren Siedlungsort gelangten sie nach Georgien, in die Region Mzcheta3. Sie baten den damaligen
Herrscher um die Niederlassungserlaubnis.
Diese wurde erteilt. So entstand in Georgien
die erste jüdische Kolonie. Allerdings, wie einer
der führenden Kenner der Geschichte georgischer
Juden, der Direktor des Jüdischen Museums in
Tiflis 4, der Historiker, Archäologe und Ethnologe
Prof. Givi Gambaschidze, bemerkt: »Die Kommunikation
zwischen dem Kaukasus und Palästina …
begann sogar in der Bronzezeit. Als Beweise dafür
gelten Sprache und Denkmäler materieller Kultur.« Es gibt aus dieser Zeit keine Überlieferung
über Konflikte zwischen Juden und der einheimischen
Bevölkerung.
F.K.: Haben sich die georgischen Juden im
Laufe der Zeit sprachlich und religiös angepasst?

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Rubrik
Persönlichkeiten in Judentum und Christentum